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Drachental
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Kapitel 1
Kapitel 1
Carim war ein sehr erfahrener Drachenkämpfer-
und flieger. Er war stolz darauf als einer der jüngsten Mitglieder im
Bund schon einen eigenen Drachen besitzen zu dürfen. Noch dazu einen
der größten, stärksten und prächtigsten aller Drachen
der jemals geboren worden war. Nintor! Er war kein gewöhnlicher
Drachen, nein, er wahr mehr! Er konnte sich auf seinen Reiter einstellen,
so das auch unerfahrener Drachenreiter es leicht hatte mit Nintor auszukommen.
Aber er hatte auch so seine kleinen Macken. Damals als Carim in den Bund der
Drachenreiter eingestiegen war durfte er dabei sein als Nintor geboren wurde.
Die einzigen die auch noch das Glück hatten dabei zusein waren das Oberhaupt
der Windreiter, der Stallmeister und ein Magier der einen Schutzzauber über
das Tier legen sollte. Es war eine besondere Ehre gewesen die Geburt eines
so stolzen Tieres mit anzusehen zu dürfen. Damals waren die Drachenhüter
besonders auf Nintor gewesen. Seine Mutter Gjemta war die einzige die sich
mit dem stärksten Drachen des Rudels verstand. Während Ratar alle
anderen Weibchen vertrieb die auch nur in seine Nähe kamen, duldete er
Gjemtas Nähe und zeigte ihr schon nach kurzer Zeit Zuneigung. Schließlich
nach einigen Monaten bemerkten die Drachenhüter das merkwürdige
Verhalten der beiden Drachen. Und noch einmal kurze Zeit später fand
man Gjemta alleine in einer Drachenhöhle ohne Ratar. Als man versuchte
sich ihr zu nähern, brüllte und knurrte sie und peitschte drohend
mit ihrem Schweif. Die Hüter kannten dieses Zeichen und sie riefen einen
Drachenmagier zur Hilfe der Gjemta in einen Tiefschlaf versetzte. So konnten
die Hüter endgültig den Beweis erbringen, Gjemta war schwanger!
Alle im Bund freuten sich sehr über diese Nachricht da sie den Leibhaftigen
Vater kannten und sie prophezeiten das Nintor der beste Drache seines Stammbaums
werden würde. Und so war es dann auch gekommen.
Nun, als Carim so dabeistand und über die Geburt des Drachen staunte,
da fühlte er ein tiefes Bündnis zwischen ihm und dem Drachenjungen.
Und schon nach kurzer Zeit war Carim der einzige der auf Nintor reiten durfte.
Nintor war natürlich noch sehr klein und eigenwillig. Mit dem Alter ließ
Nintor es mit Carims Erlaubnis auch zu das andere auf ihm reiten durften.
Doch Nintor war immer am glücklichsten wenn nur Carim auf seinem Rücken
saß oder ihn Pflegte. Die Drachenmagier- und hüter konnten sich
Nintors verhalten zwar nicht erklären aber es war ihnen recht das Nintor
sich Carim gewählt hatte von dem einige sagten das auch er der beste
im Bund sein würde wenn die Zeit gekommen sei. Und so hatte man es ihm
gestattet Nintor zu behalten. Natürlich waren Carim und Nintor zu diesem
Zeitpunkt noch zu jung um alleine miteinander zu leben und deshalb verbrachte
Carim seine Jugend zum Teil bei seinen Eltern und zum anderen, viel größeren
teil, im Bund um die Ausbildung zum Drachenreiter zu beenden. Und Nintor seinerseits
blieb in den Drachenhöhlen bei seiner Mutter bis er alt genug war um
sich selbst zu versorgen. Natürlich besuchte Carim seinen Drachen so
oft wie möglich um ihn nicht zu benachteiligen.
Als Carim dann Achtzehn Jahre alt wurde bekam er als Geschenk vom Bund Nintor,
mit dem er von da an hingehen beziehungsweise hinfliegen konnte wohin er wollte.
Carim entschied sich aber dazu die ersten Jahre noch im Bund zu verbringen.
Einerseits um seine Ausbildung fortzusetzen und andererseits um Nintor auszubilden.
Das war damals eine hoch erfreuliche Nachricht für den Bund gewesen dem
sie sofort zustimmten. Nintor wurde von da an zu einem Flugkämpfer und
Bodenverteidiger ausgebildet so das er sich jeder Lage wehren konnte wenn
es nötig und Carim setzte seine Ausbildung als Drachenreiter fort. Und
er hoffte in späteren Jahren auch die Grundkenntnisse der Magie zu beherrschen.
Jeder, so hatten ihm die alten Magier erzählt, trug die Kräfte der
Magie in sich. Einige konnten von Geburt an davon gebrauch machen und diese
wurden dann meistens zu einem Zauberer oder Magier ausgebildet so das sie
lernten mit ihrer Magie umzugehen. Manche aber trugen zwar Magie in sich,
konnten sie sich aber nicht zu nutzen machen. Hektor, einer der Magier die
mit Carim besonders gut auskamen, befasste sich seit einigen tagen intensiver
mit Carim. Sie saßen oft in der Bibliothek und lasen Bücher über
die alte Welt, Legenden und Zauberbücher. Carim empfand das alles als
sehr interessant, und wenn ihm die Zeit dazu blieb ging er auch gerne alleine
in die Bibliothek um sich umzusehen und sein Wissen zu erweitern. Er fand
dabei immer wieder neues, interessantes Material. Einige der Bücher waren
sehr geheimnisvoll! Sie waren zum größten Teil verstaubt und sahen
sehr alt aus. Über die Zeit hinweg hatten die Seiten eine Ockergelbe
Farbe angenommen und sie rochen merkwürdig alt. Carim vermutete das sie
schon sehr lange hier standen und lange nicht mehr zur Hand genommen worden
waren. Aber was ihn am meisten daran faszinierte waren die Wesen und Kreaturen
auf dem Einband der Bücher. Schaurige und Machthungrige, böse aussehende
Kreaturen schmückten den Einband. Carim hatte manchmal das Gefühl
sie würden ihn beobachten um im richtigen Augenblick herauszuspringen
und ihn zu töten. Aber auf der anderen Seite konnte Carim Zauberer und
Magier erkennen. Sie hatten ihre Hände in die Luft erhoben und ihr Mund
stand so weit offen als wollten sie etwas sagen oder schreien. Manche hatten
sich hingekniet und malten merkwürdige Zeichen auf den Boden von denen
Carim keine Ahnung hatte. Und den Zauberern und Magiern gegenüber flogen
und standen die Kreaturen und Monster von der Vorderseite des Buches. Carim
hatte sich schon oft gefragt was das bedeuten könnte und was in dem Buch
stand aber er hatte sich noch nicht getraut Hektor oder einen anderen Zauberer
zu fragen. Und alleine wollte er auch nicht hinein schauen, da es ihm zu viel
Angst machte. Allein die Vorstellung was alles passieren konnte wenn er den
Umschlag öffnen würde, ließ ihm einen eisigen Schauer über
den Rücken laufen. Und so wartete er und wartete bis sich die Gelegenheit
zum fragen bot. Aber Carim konnte auch nicht die Finger von dem Buch lassen.
Immer wenn es möglich war, nahm er das Buch zur Hand und sah sich die
Geheimnisvollen Bilder an die auf den Umschlag gemalt waren. Es war einfach
faszinierend und so ertappte er sich immer wieder dabei wie er gebannt auf
die Bilder starrte.
Gerade ging die Tür auf und Hektor betrat die Bibliothek. Natürliche
hatte Carim das Buch immer noch in der hand und als er sah wie Hektor den
Raum betrat versteckte er das Buch schnell hinter seinem Rücken. Doch
zu spät, Hektor sah Carims schnelle aber hektische Bewegung und lächelte
ihn nur an. Dann streckte er ihm die flache Hand entgegen.
Nur nicht so schüchtern mein junger Freund. Ich werde dir bestimmt
nicht den Kopf abreisen wenn du mir das gibst was du da hinter deinem Rücken
versteckt hast. Außer natürlich es handelt sich um etwas sehr persönliches,
aber dann solltest du es nicht hier in der Bibliothek aufbewahren. Es kommen
hier jeden Tag so viele Leute hinein und du weißt nie wie derjenige
reagiert wenn er dich so erschrocken sieht. Es ist zwar unglaubwürdig,
aber derjenige könnte auch Gewalt anwenden um das zu bekommen was du
da hast. Carim und Hektor wussten beide sehr gut das hier so gut wie
keiner vorbeikam um sich die alten Bücher der längst vergangenen
Vergangenheit anzusehen. Und auch die Zauberbücher waren nur interessant
für die, die zaubern konnten. Außerdem glaubten die meisten sowieso
nicht mehr an die alten Legenden, und somit war diese Bibliothek ein einsamer
ort den man nur aufsuchte wenn man alleine sein wollte, aber nie, um etwas
zu lesen. Dabei, so sah es Carim, war die Bibliothek das mit interessanteste
was es im Bund zu finden gab. Geschichten über Ritter, Helden auf Drachen
und zu Pferd, die verschiedensten berichte über Monster und Co. Carim
war es hier nie langweilig geworden, es gab immer was neues zu entdecken und
es gab dabei so viel zu lernen. Natürlich glaubte Carim die meisten Legenden
nicht die er aus den Büchern entnahm, aber sie waren interessant und
zum Teil höllisch spannend.
Carim überlegte noch eine Weile und übergab dann mit zitternden
Händen das Buch Hektor. Er kam sich dabei vor wie ein kleines Kind das
wieder etwas angestellt hatte und nun die Strafe von seinen Eltern dafür
erwartete. Hektor sah jedoch nicht einmal verblüfft aus als er sah um
was es sich handelte.
So...so, das war also dein kleines Geheimnis. Und wovor bitteschön
hast du jetzt solche Angst gehabt?
Ich...ich wusste ja nicht um was es sich hierbei handelt, und...und
deshalb dachte ich vielleicht, na ja, ist es verboten darin zu lesen!
Natürlich war Carim bei dieser Antwort nicht ganz wohl im Bauch, aber
wie hätte er es sonst sagen sollen? Plötzlich lachte Hektor so laut
auf das Carim erschrak, den Kopf zwischen die Schultern zog und sich schnell
die Ohren zuhielt. Dieses Lachen war nicht von dieser Welt. Es war so laut
und kräftig das man es weit über die Grenzen Trestas hören
musste, was auch immer dort war. Dieses Lachen war so...so merkwürdig
das man einfach mitlachen musste. Und sofort nachdem Carim sich wieder gefangen
hatte lachte er ebenfalls lauthals mit, doch er wurde sofort wieder ernst.
Warum lachst du so? Ich finde das überhaupt nicht zum lachen, im
Gegenteil!
Oh Carim, oh Carim. Dies ist eine GEMEINSCHAFTSBIBLIOTHEK, dieses
Wort betonte er besonders, und alles was du hier vorfindest ist für
Wissensdurstige Leute gedacht die in diesem Bund leben. Und wäre dies
ein verbotenes Buch, so würde es bestimmt nicht hier in einem der Regale
stehen und für jeden zugänglich sein. Ja, da hatte Hektor
recht. Wieso war nicht auch er auf diesen Gedanken gekommen? Wie dumm von
ihm. Und plötzlich musste auch er wieder lachen. Mit Tränen verschmiertem
Gesicht wandte er sich wieder an seinen Freund.
Das war wirklich dumm von mir. Aber die Zeichen und Abbildungen haben
mich verwirrt und zum Teil verängstigt. Ich dachte es wäre ein Zauberbuch
der besonderen Art oder so. Was ist es eigentlich genau Hektor?
Dies ist wohl das wichtigste aller Bücher in dieser Bibliothek,
sagte Hektor leise, in ihm steht die wohl wichtigste Geschichte unseres
Landes. Niemals hat es etwas gegeben was die Menschen so verängstigt
und gleichzeitig erschreckt hat wie das, was damals passiert ist. Carim
wurde neugierig. Er wollte nun genau wissen um was es sich dabei handelte.
Hektor, du musst mir mehr erzählen!
Dieses Buch erzählt die Geschichte über den Schattenkrieg!
Mächtige Dämonen überfielen das land, doch ein Bund der sich
aus einigen Magiern und Zauberern zusammenschloss besiegte sie. Aber Junge,
wenn du noch mehr wissen willst, dann nimm dieses Buch mit und lese es dir
gründlich durch. Ich sage dem Bibliothekhüter bescheid das du es
hast. Und keine Angst beim öffnen, JA?!"
Carim war so glücklich dass er, ohne noch ein Wort zu sagen, hinaus rannte,
mit dem Buch fest unter dem Arm. Er wollte so schnell wie möglich in
sein Zimmer um dieses Buch zu lesen. Er lief durch den Hof und den Übungsplatz.
Carim nahm nur flüchtig die Umgebung war, da er sie ohnehin schon in
und auswendig kannte. Der große, mit Drachenstatuen verzierte, Brunnen
schoss wie der Schatten eines vorbeifliegenden Drachen an ihm vorbei. Eine
Ansammlung junger Bäume unter denen zum ausruhen einladende Sitzbänke
standen verschwamm zu einem Chaos aus Farben an der Grenze seines Sehfeldes.
Als er den Hof überquert hatte erreichte er den mit einem Holzzaun umrandeten
Übungsplatz. Gekonnte stemmte sich Carim an einer Holzstange ab und schwang
seinen Körper wuchtig über die Abgrenzung. Er wusste das dies eigentlich
verboten war, aber er hatte es eilig. Zudem war um diese Zeit eh niemand unterwegs
der ihn hätte sehen können. Der Übungsplatz war wie leergefegt.
Nur an einigen stellen standen die Übungsgeräte herum die schon
ziemlich ramponiert aussahen. Auch Carim hatte hier sehr viel trainiert und
seinen Teil zum Aussehen der Geräte beigetragen, so wie fast jeder hier.
Carim blieb einen Augenblick in der Mitte des Platzes stehen der mit einem
gelblichem Sand-Kristall-Gemisch bedeckt war und ließ seinen Blick über
den Platz und die Konturen der Gebäude schweifen. Der warme nachtsommerwind
strich ihm durch Haar und Gesicht. In der Ferne hörte er die Drachen
rufen. Der Bund der Windreiter hatte sich in all den Jahren einen großen
Hort zugelegt. Am Anfang waren es nur wenige Hütten nahe der Drachenhöhlen
gewesen. Sie waren umringt von einem dicken Gemäuer das stets von Windreitern
bewacht wurde. Überall standen sie: Bogenschützen, Schwertkämpfer
und Speerwerfer um den Hort zu beschützen. Immer wieder kam es vor das
kleine Gruppen von Dieben eindrangen um den Hort zu ihrem Stützpunkt
zu machen. Aber weit kamen sie nie. Am Anfang schafften es nur einige die
vorderen reihen zu durchbrechen, doch spätestens hinter den Mauern wurden
sie schon von aufgebrachten Drachen erwartet die sie gnadenlos zerfleischten,
da sie die Fremden nicht riechen konnten, und sich als Mittagsmahl vornahmen.
Später, als sich auch der Bund verbessert und vergrößert hatte,
kamen sie nicht einmal mehr an den vorderen wachen vorbei. Mittlerweile wagten
es nicht mal gut ausgebildete Soldaten und Diebesgesindel den Hort anzugreifen
oder den Versuch zu starten ihn zu überfallen. Der Hort war seit den
ersten Angriffen immer mehr und mehr gewachsen, da sich viele jüngere
Raufbolde, die nichts besseres zu tun hatten, beim Bund gemeldet hatten um
ihm beizutreten. Natürlich waren die Oberhäupter darüber sehr
erfreut, und sie nahmen sie mit Vergnügen auf. Heute, das konnte man
wohl durchaus sagen, war der Hort zu einem richtigen kleinen Dorf herangewachsen.
Es gab ordentlich aufgebaute und hergerichtete Häuser in denen junge
Auszubildende, feste Mitglieder des Bundes und zum teil sogar Familien wohnten.
Viele die hier ihre Ausbildung beendet hatten, hatten sich dazu entschlossen
für immer im Bund zu leben und den Windreitern zu dienen. Es waren viele
Ausbilder dabei, Generäle, de Oberhäupter, die Magier und Zauberer.
Alle lebten sie ihr, und das nun schon viele Jahre. Und obwohl dies den Eindruck
erwecken konnte es würde hier langweilig werden, der täuschte sich.
Es gab immer etwas zu tun und es wurde nie langweilig. Obwohl nicht vorgesehen,
wurde außerhalb des Hortes sogar Landwirtschaft betrieben. Getreide
und verschiedene Nutzgüter wurden angebaut sowie Kühe und Pferde
gezüchtet. So konnte sich der Hort sogar selbst versorgen und war nicht
auf andere angewiesen, zumindest was Lebensmittel betraf. Es gab ausreichend
zu essen und zu trinken für jeden und keiner beschwerte sich. Allerdings
war der Hort auch ein abgelegenes Örtchen. Weit ab von den Dörfern
und Städten, nahe einiger Drachenhöhlen, hatten sich die Windreiter
angesiedelt. Viele hatten schon gefragt: Warum? Die Antwort war sehr einfach.
Drachen brauchten viel Ruhe, wenn sie ihre Jungen ausbrüteten. Aber es
musste auch gewährleistet sein das ihre Pfleger immer in der Nähe
waren. In der Nähe der Stadt und den Dörfern war diese Bedingung
nicht erfüllt. Und so hatte man sich entschieden den Hort nahe der Berge,
bei den Drachen, und weitab der Zivilisation zu bauen. Und bis heute wurde
einem immer wieder vor Augen geführt wie Wichtig diese Entscheidung gewesen
war. Carim fühlte sich sehr wohl hier. Ab und zu bekam er besuch von
seinen Eltern oder anderen Verwandten. Dann führte er sie durch den Hort,
und zeigte ihnen alles. Doch er brachte sie niemals zu den Drachen, denn das
war verboten! Sein Onkel Arakxsis war früher auch einmal bei den Windreitern
gewesen. Er hatte Carim als er noch ein baby war oft von seinen Tagen im Bund
erzählt. Vielleicht war dies auch einer der Gründe gewesen warum
Carim sehr schnell vom Bund begeistert war. Arakxsis hatte, so wie Carim,
auch einen eigenen Drachen gehabt. Es war Tuva, ein weiblicher Drachen der
aufgrund eines Geburtsfehler statt Nachtblauer Schuppen silberne hatte. Tuva
war ein besonderer Drache. Carim fand sie war, nach Nintor, der schönste
Drachen im Hort. Sie hatte Tiefgrüne, freundliche Augen, und ihre Schuppen
glänzten bei Mondschein besonders schön. Und oft hatte man das Gefühl
eine Sternschnuppe zu sehen die vom Himmel gefallen war und nun ihren Weg
durch Tresta suchte. Arakxsis war nun viel zu alt um sich um Tuva zu kümmern.
Während Menschen nur knapp 100 Jahre lebten, Krieger fast nur die Hälfte,
wurden Drachen bis zu zehn mal so alt. Arakxsis hatte ihn letzten Sommer besucht
und Carim näher mit Tuva bekannt gemacht. Arakxsis war es leid zu sehen
wie wenig Aufmerksamkeit diese stolze Drachendame bekam. Sie war keine Außenseiterin
im Drachenrudel, aber sie war auch nicht so fest integriert wie die anderen.
Und die Pfleger hatten auch kaum Zeit sich um sie zu kümmern. So hatte
Arakxsis gefragt ob Carim sich nicht ein wenig um sie kümmern konnte.
Da Carim ja auch einen Drachen hatte konnten sie vielleicht Freunde werden
und Tuva wäre nicht mehr so allein in ihrer Höhle. Carim hatte dem
Wunsch seinen Onkels schnell zugestimmt, und mit Tuva auszukommen war nicht
sonderlich schwer gewesen. Doch Carim wusste das sie immer noch einsam war
und sich nach einem neuen Reiter sehnte. Carim schüttelte den Kopf, sie
war noch so jung, warum teilte man sie nicht einem neuen Windreiter zu? Nachdem
Carim sich noch ein letztes mal umblickte und die lästigen und doch schönen
Gedanken vertreib, sauste er wie der Wind zu dem Haus in dem er lebte. Und
auch wenn er es nicht mehr so recht wollte, dachte er weiter an die Geschichte
des Hortes und an die Jahre in denen er dem Bund beigetreten war. Es waren
schöne aber auch unangenehme Erinnerungen. Liebevolle und schmerzhafte.
Carim blieb wieder stehen und hielt inne. Er blickte zu einer weiteren Gruppe
Bäume die er grade passiert hatte, ging zu ihnen hinüber, und lehnte
sich gegen den alten Stamm einer knochigen Eiche. Er hatte vieles falsch gemacht,
damals, und er musste dafür grade stehen. Er dachte zurück an die
Geburt seines Drachen Nintor. Nun kam ihm sehr vieles in den Sinn. Und er
war erstaunt über sich selbst, das er nun schon so viele Jahre hier war.
Und wie viel sich doch verändert hatte. Für ihn, seine alte Heimat
und im Hort. Er war nicht der Carim der damals mit strahlender
Miene das Elternhaus verlassen hatte um Windreiter zu werden. Nein, er war
seit dem Eintritt eine völlig neue, nicht mehr wiederzuerkennende Person
geworden. Und dieser eine Gedanke in diesem einen kurzen Moment machte ihm
mehr Angst als die Dämonen auf dem Buch. Nie hatte er sich ernsthafte
Gedanken darüber gemacht wie das wohl für seine Eltern war. Wenn
sie ihn wiedersahen, sich freuten und jedes Mal am Ende doch nur feststellten
das Carim wieder ganz anders war als im Monat zuvor. Carim rutschte an dem
rauen Baustamm ein Stück tiefer. Seine Eltern bedauerten es wahrscheinlich
schon seit Jahren ihren alten Carim für immer verloren zu haben. Der
Gedanke und diese Tatsache machten ihn irgendwie traurig. Am liebsten wollte
er gleich zu seinen Eltern gehen ihnen sagen wie leid es ihm tat und sagen
das er nun für immer bei ihnen bleiben würde. Aber das konnte er
nicht! Er war nun 19 und hatte hier seine Schulausbildung begonnen und beendet.
Er war nun seit genau 14 Jahren hier. Er hatte eine harte Ausbildung im Kampf
hinter sich, und das konnte er auch nicht so einfach stehen und liegen lassen.
Carim schüttelte abermals den Kopf. Die Oberhäupter vertrauten auf
ihn, außerdem war da noch Nintor, den er auf keinen Fall alleine lassen
konnte. Carim blickte zum Himmel auf der sich dunkelrot gefärbt hatte.
14 Jahre, das war eine Menge Zeit. Er kannte Nintor, seinen Drachen, nun schon
länger und besser wie seine eigenen Eltern. Während Carim fast täglich
mit Nintor zusammen war, kamen seine Eltern nur einmal im Monat, und in schlechten
Zeiten wie im Winter, auch mal ein ganzes halbes Jahr nicht. Ja, der Hort
war seine Familie, er kannte viele hier besser wie seine Eltern. Es war eine
erschreckende Feststellung, und sie tat weh, aber es wahr die Realität.
Nintor und Carim bildeten ein fast perfektes Team und da Nintor nur ihm vertraute
ging es nicht anders, er musste hier bleiben! Nach kurzem überlegen sagte
er sich, Ja, ich bleibe, ich gehöre hier her, und setzte seinen Weg nach
hause fort, um dort in Ruhe das Buch zu lesen. Mittlerweile dämmerte
es stärker. Der Himmel war in Farbtönen zwischen gelb, rosa, rot
und blau gefärbt. Es war ein milder Sommerabend. Es war schwül,
und es roch nach Regen und Gewitter. Das waren Nächte die Carim am liebsten
mochte. Sie waren perfekt um es sich gemütlich zu machen und ein gutes
Buch zu lesen. In der ferne konnte er wieder das allabendliche brüllen
der Drachen hören. Carim musste wieder an Nintor denken, der seine Familie
in seiner Nähe hatte. Carim wollte am liebsten zu ihm gehen und ihm seine
Gewissensbisse mitteilen doch er durfte nicht, nicht jetzt! Es war nun bald
Nacht, und das war die Zeit wo die Drachen auf Jagd gingen und dadurch sehr
gefährlich wurden. Einerseits weil sie beim jagen nicht gerne gestört
wurden und andererseits, weil sie auch einen Menschen mit Beute verwechseln
konnten in der Dunkelheit der Nacht. Carim wurde diese Regel in der Schule
eingebläut als er sechs Jahre alt war. Es war wichtig das man alles über
seinen geschuppten Freund wusste. Die Gefahren und wie man mit ihm umging.
Ganz am Anfang durfte Carim noch nicht auf einem echten Drachen reiten. Er
musste sich mit einer Puppe begnügen die gelegentlich auf und ab wippte.
Anfangs hatte er sogar selbst dabei Probleme gehabt sich im Sattel zu halten.
Später, als er darin geübt war, musste er so tun, als ob dies ein
echter Drache sei, und diesem sollte er eine Richtungsänderung zeigen.
Carim konnte seinem Drachen durchaus auch Befehle zubrüllen, doch es
gab auch Drachen die taub waren, und denen musste man alles auch irgendwie
verständlich machen. Auch das kapierte Carim mit der Zeit sehr schnell
und im Alter von neun Jahren durfte er einen richtigen Drachen, allerdings
nur in Begleitung seines Lehrers, reiten und diesem befehle erteilen. Natürlich
war dieses Tier nicht annähernd so stark und prächtig wie Nintor,
aber zum üben war es allemal geeignet, da ers ehr zahm war. Carim
dachte sehr gerne an diese Zeiten zurück. Als ob es erst gestern gewesen
wäre. Doch genug überlegt, er hatte schon zu viel Zeit vertrödelt.
Er legte die letzten Meter zu dem Haus in der er wohnte im Laufschritt zurück
und war auch bald schon angekommen. Er riss geradezu die Tür des Hauses
auf und stürmte mit Polternden Schritten die etwas ältere Holztreppe
hinauf. Als er vor seiner Zimmertür stand war er völlig außer
Atem. Carim dachte er sich was ist bloß los mit dir,
jetzt schon so ausgepowert? Du brauchst wohl wieder mehr Training! Er
öffnete die Tür und schloss sie schnell hinters ich wieder, dann
warf er sich in kompletter Bekleidung auf sein Bett und wandte sich dem Buch
zu. Er schlug die erste Seite auf. Sie war gelb, leicht verstaubt und roch,
wie die meisten anderen Bücher, nach Alter. Die Schrift war stark ausgebleicht
und kaum noch lesbar, aber da Carim sowieso gute Augen hatte, empfand er es
nicht als störend und begann ungehindert zu lesen. Er hatte die ersten
Seiten hinter sich, es waren hauptsächlich Beschreibungen verschiedener
Personen und Städte. Carim versuchte sie sich vorzustellen. Es war komisch,
aber er glaubte er hätte diese Personen irgendwo schon einmal gesehen.
Nein, das konnte nicht sein, diese Personen hatten vor knapp eintausend Jahren
gelebt. Sie waren schon lange Tod und von ihren begrabenen Körpern waren
wahrscheinlich nicht mal mehr Knochen übrig. Aber trotzdem, blieb das
Gefühl, diese Personen zu kennen, in seinem Kopf haften. Auch als er
weiterlas konnte er den Gedanken nicht verdrängen. So las er bis tief
in die Nacht. Ständig wurde etwas erklärt, und so kam es kaum zu
Handlungen und Kämpfen. Carim drehte das Buch in den Händen, er
hatte sich irgendwie mehr darunter vorgestellt. Bis jetzt hörte es sich
eher nach einer Großmutter Gutenachtgeschichte an, die ihm seine Oma
zu Lebzeiten immer vorgelesen hatte. Sie waren schön und spannend, und
immer mit einem Happy End, aber doch immer nur erfunden. Carim war wirklich
enttäuscht. Und das sollte das wichtigste aller Bücher sein, fragte
er sich. Nun gut, weit war er ja noch nicht gekommen. Er blätterte eine
Weile wahllos die Seiten durch, dann gab er sich einen Ruck und las ein wenig
missmutig weiter. Doch mit der Zeit wurde es tatsächlich immer interessanter.
Nun gab es kaum noch Beschreibungen, nein, nun ging es richtig los. Das Buch
war sogar mit einigen Bilder gespickt die die nun erzählten Szenen verdeutlichten.
Carim las eine besonders spannende Szene: Der Ritter, in der mir Gold verzierten
Rüstung, stand den Monster gegenüber. Er hatte Angst, große
Angst, doch er durfte es sich nicht anmerken lassen. Diese Kreaturen kannten
keine Gnade, und würden sie auch nur ein Zeichen von schwäche an
ihm erkennen wäre sein Ende besiegelt. Bei der kleinsten Bewegung würden
sie auf ihn losgehen. Er schaute ihnen tief in die Augen. Doch das einzige
was er darin fand war tiefer und blanker Hass auf alles Lebende in diesem
Land. Riesen großer Hass auf alles was nicht zu ihnen gehörte.
Ansonsten war da nur eine Leere von unbeschreiblicher Größe. Der
Ritter machte einen vorsichtigen Schritt nach vorne. Seine Hand lag an seinem
Schwertgriff und er umklammerte ihn so fest bis die Knochen weiß unter
der Haut hervortraten. Er war geübt im kämpfen und wusste genau
wie man mit solchen Biestern umzugehen hatte. Plötzlich regte sich einer
der Dämonen. Er war besonders groß und besonders wütend, er
war wohl der Anführer dieser Gruppe. Er starrte den Ritter hasserfüllt
an, machte einen Schritt nach hinten, stieß sich ab, flog wie ein Pfeil
auf den Ritter zu und.... Carim nahm eine Bewegung am Rande seines Sehfeldes
wahr. Blitzschnell wendete er den Kopf um den Eindringling zu analysieren.
Carim riss vor Überraschung die Augen auf. In seinem Zimmer stand, ohne
das er angeklopft oder um Eintrittserlaubnis gefragt hatte, Hauptmann Damaris.
Er schaute sich mit steifer Miene im Zimmer um, dann fiel sein Blick auf Carim,
er runzelte die Stirn, und sein Gesichtsaudruck veränderte sich zu einer
merkwürdigen Ausdrucksweise. Damaris war bei Carim nicht sehr beliebt,
und umgedreht verhielt es sich genauso. Er war ein guter Kämpfer und
wusste seinen Posten zu schätzen, aber er war arrogant und hatte, Carims
Meinung nach, kein Herz. Früher hatte er gegen ihn viele Übungskämpfe
durchgeführt, und er hatte immer verloren. Carim war darüber immer
sehr verärgert gewesen, und er übte weiter, in der Hoffnung Damaris
einmal in seinem Leben zu besiegen. Bis heute war es ihm nicht gelungen. Und
das er ihm nicht mal annähernd das wasser reichen konnte ärgerte
ihn am meisten. Das einzige was Carim Damaris entgegen bringen konnte war
die Drache das Nintor sein Drache war. Damals, als Damaris Anspruch auf den
Drachen erhoben hatte, lehnten es die Oberhäupter strickt ab. Er hätte
nicht das Gefühl dazu einen Drachen zu reiten. Er war dazu nicht fähig
und er sollte Hauptmann der Bodentruppen bleiben. Das ärgerte Damaris
so sehr das seine Wut gegen Carim ins unermessliche stieg und dies war auch
der einzige Triumphzug von Carim gewesen, der ja schon fast von beginn seiner
Ausbildung an Nintor zugesprochen bekam. Nun stand er hier, in mitten von
Carims Zimmer und schaute in mit Wuterfülltem Blick an. Was hatte Damaris
denn nun schon wieder? Bestimmt hatte er sich wieder einen lächerlichen
Grund gesucht um Carim zu ärgern. Das machte er oft und gerne, es waren
nie sinnvolle oder berechtigte Gründe, aber es waren Gründe die
es Damaris erlaubten Carims Zimmer ungehindert zu betreten und ihn zurechtzuweisen.
Das schien ihm besondere Freude zu machen. Jedoch hatte Carim schon seit Jahren
keine Angst mehr vor ihm. Zwar war Damaris stärker und auch ein Hauptmann,
er hatte viel höhere Befehlsgewalt wie der kleine nutzlose Carim, und
mochte vielleicht in Sachen Taktik immer noch ein Stückchen schlauer
sein. Doch im Grunde war Damaris mit heißer Luft gefüllt. Was Carim
ihm natürlich nicht sagte. Damaris war ein hochgewachsener, kräftiger
Mann der am ganzen Körper mit Muskeln bepackt war, Resultat eines Jahrelangem,
intensiven Trainings und Trainierens. Er hatte schwarzes, kurzes Haar und
dunkle Augen ähnlich denen die ein Dämon in Carims Buch hatte. Er
trug stehts seine Windreiter Uniform, sogar im schlaf. Sie war tiefblau
und ein schwarzer mit Goldstickereien verzierter Umhang flatterte stehts
um die wuchtige Männergestalt. Auf der Brust trug er das Wappen der Windreiter.
Ein paar weiße Wolken am Horizont hinter denen die Sonne unterging und
davor ein Drache der auf einen zuzufliegen schien. Carim trug dieses Zeichen
ebenfalls an seiner Kleidung. Es war auf seinen Kampfanzug gestickt den er
gelegentlich beim Training und zu Ausflügen trug. Carim blickte den Hauptmann
mit einem milden und fragenden Blick an. Er wollte verhindern das die Spannung
zwischen ihnen soweit wuchs das es wieder in einem lautstarken Streit endete,
doch des Hauptmanns Blick blieb Kalt und voller Wut. Schließlich setzte
der Hauptmann ein verschmitztes lächeln auf, Carim hatte es gewusst,
das tat er immer wenn der Hauptmann versuchte ihn zu Ärgern und ihn wegen
einer nicht vorhanden Regelwidrigkeit zu ermahnen:
Schönen Abend Herr Khatura, was soll denn das nun schon wieder,
zu so später Stunde noch wach, meine Güte war das lächerlich,
dachte sich Carim, doch er verhielt sich ruhig, ich dachte ihr schlaft
schon längst, und da sah ich das Licht in eurem Fenster. Was tut er denn
noch zu dieser Zeit? Wollte Damaris ihn ins Bett befördern, gab
es nun eine neu erfundene Regel die besagte das neunzehnjährige zu einer
bestimmten Uhrzeit zu schlafen und das Licht gelöscht haben mussten?
Damaris, das ist wirklich peinlich, merkt ihr das denn nicht? Ihr macht
euch damit nur selbst zum Deppen, dachte Carim leise. Er erhob sich
vom Bett und lief ein Stück durch den Raum zu einem Stuhl neben dem seine
weichen Ausgehstiefel standen. Als er sich wieder aufrichtete musste er wieder
einmal mit vergnügen feststellen das er größer war wie der
Hauptmann. Carim grinste, versuchte es aber hinter einem vermeintlichem husten
zu verbergen. Damaris war zwar nicht sehr viel kleiner wie Carim, dennoch
musste er zu ihm aufsehen. Für Damaris war dies wohl eine unerträglicher
Erniedrigung, das wusste Carim und grinste wieder, aber anders ging es bei
seiner Größe eben nicht. Carim genoss den Luxus in einem Zimmer
mit eigenem Balkon zu wohnen. Wortlos schritt er an Damaris vorbei, hinaus
auf den Balkon und ließ sich auf einem der Stühle nieder die er
hier aufgestellt hatte, und blickte hinauf zu den Sternen. Carim hatte Damaris
nicht gebeten ihn auf den Balkon zu folgen, aber er war sich sicher das Damaris
auch ohne seine Aufforderung tun würde, und so wartete er nur wenige
Sekunden bis er das Geräusch harter Stiefel vernahm die auf blanken Steinboden
traten. Carim blickte verwundert den Himmel an. Es war nur wenige Stunden
her da hatte er geschworen das Regenwolken aufziehen würde, doch es war
eine klare Nacht, so klar, das Carim schwach die Drachen sehen konnte die
ihre Kreise am Himmel zogen. Ob er Nintor auch gesehen hatte und es nur nicht
wusste? Damaris ging ebenfalls wortlos an Carim vorbei. Er nahm sich ebenfalls
einen Stuhl und schob diesen in eine Ecke vom Balkon, möglichst weit
weg von Carim, und ließ sich darauf nieder. Carim hatte seinen verträumten
Blick immer noch in den Himmel gerichtet wo er die Drachen frei und ohne Zwang
fliegen sah. Carim hatte nicht das Bedürftnis Damaris anzublicken und
sein handeln und seine Gesichtszüge sowie Körperhaltung zu analysieren.
Carim schaute weiter in die Ferne und fragte:
Nun Damaris, was führt euch zu so später Stunde noch zu mir?
Ich denke es ist nicht die Tatsache das ich noch wach bin. Wie ihr selbst
wisst bin ich alt genug, wenn ich das so sagen darf, um selbst zu entscheiden
was für mich gut und richtig ist. Und ihr seid alt genug um dies ebenfalls
zu wissen! Damaris hüllte sich vorerst in den Mantel des Schweigens.
Normalerweise war er ein sehr gesprächiger Kerl, besonders wenn es darum
ging, Carim seine Meinung zu verkünden über das was richtig und
falsch war, doch heute war etwas anders, selbst Carim konnte das deutlich
spüren. So kannte er den Hauptmann gar nicht, der es sich sogar ab und
an erlaubte mit seinen Kampfkumpanen in der Kneipe zu betrinken. Damaris schaute,
wie Carim, in die Ferne. Doch er schien weiter zu blicken, weiter als Carim
es jemals zu tun vermochte. Sein Gesichtsausdruck hatte sich abermals verändert,
und er war noch merkwürdiger als zuvor. Etwas unerklärliches lag
in seinen Augen, etwas, das Carim noch nie zuvor bei einem Menschen oder anderen
Wesen gesehen hatte. Es war eine Mischung aus Angst, entsetzen und erstaunen.
Damaris Kopf fiel plötzlich ruckartig auf die Seite als sei er eingeschlafen.
Als er den Kopf wieder hob und Carim fest ansah, war der Ausdruck komplett
verschwunden und seine alte, kalte Miene war wieder aufgelegt. Nach kurzem
zögern sprach er endlich nach vielen Schweigeminuten an Carim gewandt:
Du hast recht Carim. Ich komme nicht aus dem Grund weil du noch nicht schläfst,
oder weil nicht Licht in deinem Zimmer brennt. Das ist wahrhaftig deine Angelegenheit.
Obwohl es gesünder wäre wenn du schon schlafen würdest,
Carim hatte es gewusst, er hätte sich gewundert wenn Damaris mal nichts
an ihm auszusetzen hatte, jedoch bin ich in einer wichtigen Angelegenheit
hier über die ich dringend mit dir reden muss! Carim war sehr erstaunt.
Damaris Stimme hatte sich schlagartig gewandelt und ein leichtes Beben
lag nun darin, als würde es ihm schwer fallen darüber zu reden.
Wahrscheinlich war es ihm einfach unangenehm mit Carim zu sprechen.
Ja, und das wäre, fragte Carim in einem milden, beruhigendem
Ton.
Nun, kennst du die Schattenberge? Carim war nun doppelt erstaunt.
Er kannte sie aus dem Buch was er sich von Hektor in der Bibliothek geliehen
hatte und nun grade las. Es waren ja nicht mehr viele Seiten bis zum Ende
des Buches, und das wichtigste war wohl schon geschehen.
Ja, antwortete er schließlich.
Das ist gut, sagte Damaris und nickte mit dem Kopf, dann
kennst du bestimmt auch das Schattenland, Carim nickte, umso besser.
Denn wir starten morgen einen Erkundungsflug dorthin! Nun spitzte Carim
die Ohren. Er kannte dieses Land nun schon sehr gut, und trotz der detailierten
Beschreibungen wünschte sich Carim sehnlichst dort einmal hinzufliegen
zu können um es selbstständig zu erkunden.
Warum, ich meine, was ist so wichtig daran das ich mitkomme?
Carim die Situation ist diese: Das Schattenland liegt im Kälteschlaf,
und deshalb ist in der Nähe der Schattenberge länger Winter als
bei uns hier. Das liegt daran das Bergwinde die Kälte und den Schnee,
der dort das ganze Jahr über herrscht, aus dem Schattenland und den Schattenbergen
zu uns ins Tal wehen. Und das ist auch der Grund dafür warum dort niemand
lebt. Einerseits weil es zu nahe an der verfluchten Schattenbergen liegt,
den sie über alles andere fürchten, und andererseits weil man dort
nicht Menschengerecht leben kann weil es viel zu kalt ist. Doch seit einiger
Zeit hören wir, das es in der Gegend der Berge wärmer geworden ist.
Extrem Wärmer! Der Schnee schmilzt und es wachsen auch wieder Pflanzen
dort. Selbst Tiere wurden dort schon wieder gesichtet, zum ersten mal, seit
Hunderten von Jahren. Die Menschen sind beunruhigt, und wir auch, denn wir
glauben das dass Schattenland aus seinem Kälteschlaf erwacht und uns
wieder zur Bedrohung werden könnte. Du weißt ja das nicht alle
Kreaturen und schwarzen Magier besiegt worden waren, sonder nur eingefroren
wurden. Wir wissen nicht ob sie die 1000 Jährige Kälte überlebt
haben oder nicht. Wir gehen jedoch vom schlimmsten aus. Deshalb müssen
wir dort hinfliegen und nach dem rechten sehen, verstehst du was ich meine?
Nintor ist stark und sollte es zu Problemen kommen, was ich jetzt noch kaum
glaube, aber wenn doch, seit ihr beide die, die und am meisten helfen können."
Damaris verstummte. Carim wusste nur zu gut wie schwer es Damaris gefallen
sein musste ihm, Carim, diese Nachricht zu überbringen. Carim und Damaris,
das war allgemein bekannt, waren die größten Feinde im Hort sei
Jahren. Wann immer sie konnten, versuchten sie den anderen zu Ärgern
indem sie etwas zustande brachten oder erreichten was der andere noch nicht
geschafft hatte. Damaris als Hauptmann, stöberte Tag täglich in
den Gesetzbüchern des Hortes um etwas zu finden wogegen Carim womöglich
verstoßen haben könnte. Und immer wenn Carim Flugstunden hatte
und Damaris auf dem Übungsplatz sah flog er mit Absicht im Tiefflug über
sie hinweg und konnte regelrecht spüren wie bei Nintors und Carims Anblick
Damaris Wut uns unermessliche stieg. Carim dachte wieder einmal zurück.
Wie lange bestand dieser Zwist zwischen ihnen nun schon? Ja, es mussten in
etwa sieben Jahre sein. Und dabei hatte alles so harmlos angefangen. Vor sieben
Jahren war Damaris so alt gewesen wie Carim heute. Er war zu einem stolzen
jungen Mann ehrangewachsen und er war der beste Bodenkämpfer im ganzen
Hort. Er hatte jeden besiegt, sogar am Ende seiner Ausbildung seinen Lehrer
und den Hauptmann dem er gedient hatte. Deshalb wurde er schon nach kurzer
Zeit nach Abschluss seiner Ausbildung selbst zum Hauptmann einer führenden
Bodentruppe ernannt. Er hatte alle Qualitäten die ein Hauptmann benötigte:
Er war stark und gut in allen Bereichen des Kampfes und Taktik ausgebildet,
er hatte eine starke Persönlichkeit und eine laute Stimme die es ihm
erlaubten sich überall durchzusetzen wo er konnte, und er war jung und
gewandt, er war dazu geboren Hauptmann zu werden. Doch bloß ein kleiner
Hauptmann irgendwelcher Bodentruppen zu sein reichte ihm nicht aus. Er trat
vor die Oberhäupter und beantragte einen Drachen und einen Ausbildungsplatz
bei der Truppe der Windreiter wo auch Carim schon war. Windreiter, das war
der Oberbegriff und Name des Hortes, doch nur die Drachenflieger selbst durften
sich offiziell Windreiter nennen, denn das waren ja auch im Grunde nur sie,
die Bodentruppen duften sich Windstürmer nennen. Kein besonders glanzvoller
Name wie Damaris dachte, jedenfalls nicht so glanzvoll wie Windreiter. Und
da er sich für den besten hielt, wollte er auch nur zu den besten gehören.
Doch die Oberhäupter lehnten dies sofort ab, mit der einfachen Begründung,
Damaris hätte nicht das nötige Feingefühl um einen Drachen
zu führen. Er war eine starke Kämpfernatur mit der Bestimmung festen
Boden unter den Füßen zu haben und ein Schwert zu führen!
Doch Damaris ließ nicht locker und nur wenige Wochen später hörte
er von Nintor, dem stärksten Drachen im Hort, dies war ein erneuter Anlass
für ihn vor die Oberhäupter zu treten. Damaris verlangte erneut
nach einem Drachen, doch diesmal nicht nach irgendeinem Drachen, nein, er
wollte Nintor! Ein starker Führer brauchte einen starken Drachen. Damaris
plante nach dem Aufstieg zum Hauptmann der Windstürmer nun Hauptmann
der Windreiter zu werden und somit würde er Führer der besten Truppen
im ganzen Hort sein. Ein wunderbarer Traum der mit nur einem kurzen Wort zunichte
gemacht wurde NEIN! Damaris kochte fast über vor Wut, aber
letztendlich duldete er den Beschluss der Oberhäupter. Als sich wenige
Tage später seine Wut wieder gelegt hatte, und er begann sich mit seinem
Schicksal abzufinden, erreichte ihn eine neue erschütternde Nachricht.
Nintor, der wohl der stärkste Drache im Bund werden würde, wurde
Carim, einem elfjährigen, unausgebildetem, schwachem Jungen zugesprochen.
Damaris kannte Carim nicht persönlich, aber obwohl dieser Grünschnabel
erst wenige Jahre im Hort war, liefen schon Tonnen von Gerüchten im Hort
umher. Carim sollte, trotz seines Alters, schon außergewöhnliche
Leistungen vollbracht haben. Und dieses Kleinkind hatte Nintor so einfach
zugesprochen bekommen, dieser Grünschnabel, der noch keinerlei Erfahrung
mit der Welt da draußen hatte. Ein junge ohne Rang und Namen bekam,
einfach so, den stärksten Drachen im Hort zugesprochen. Damaris Wut war
innerhalb von Sekunden wieder aufgeschwemmt. Ja, er platzte fast. Und was
noch viel schlimmer war, Carim war auch noch bei der Geburt des Drachen dabei
gewesen. Er brauchte nur wenige Tage um alle nötigen Informationen über
Carim zu sammeln. Bald kannte er alle Geschichten die sich um die beiden rankten.
Carim, so sagte man, würde einmal der beste Krieger im Hort werden. Der
beste? Das konnte Damaris nicht zulassen! Und Nintor der stärkste Drache
der jemals geboren worden war. Ob das der Grund war warum Carim Nintor zugesprochen
bekam oder es einen anderen Grund gab wusste Damaris nicht. Aber das war auch
egal. Was zählte war, das man ihm, Hauptmann Damaris, einen Drachen verweigert
hatte und Carim, einem elfjährigen Knaben, den besten Drachen ohne Einwände
und weitere Überlegungen gab. Damaris war wütend. Wütend auf
die Oberhäupter und besonders auf Carim. Er wollte sich rächen und
er wusste auch schon wie. Er trat wieder vor die Oberhäupter.....
Ich hatte eigentlich schon weiter geschrieben, aber
irgendwie ist mir ein Teil der Story abhanden gekommen, vieleicht finde ich
sie wieder auf einem alten PC, aber ohne diesen Teil wirds wohl kaum weiter
gehen. Er war doch so gut....