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Fantasy-Story ohne
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Kapitel 1
Kapitel 1
Toran schlenderte durch die schmalen Straßen
des Elfendorfes in dem er kürzlich eingetroffen war. Links und rechts
von ihm wuchsen die kleinen, gemütlichen Elfenhäuser direkt aus
dem Boden. Zwischen jedem Haus waren große Gärten angelegt, voll
von duftenden Blumen und Kräutern. Das Dorf machte einen sehr verträumten
Eindruck. Nichts hier stand dicht an dicht, wie es bei den meisten Menschendörfern
der Fall war, große Gärten, zum träumen und wandern einladende
Parkanlagen und ein großer Dorfplatz verführte zu einem Päuschen
auf einer der Weidenholzbänke. Die Mitte dieses Dorfplatzes zierte ein
Kunstvoll gewachsener Brunnen, der mit Hilfe von Naturmagie verspielte Wasserfontänen
in die Aromaschwere Luft schoss. Toran fühlte sich in der natürlichen
und ruhigen Umgebung des Elfendorfes sehr wohl. Die Menschen bemühten
sich zwar sehr, doch hatten sie es bisher nicht geschafft von ihren kleinen
Maschinchen los zu kommen die ihnen das Leben erleichterten, auch wenn sie
nebenbei etwas Umweltschädlich waren. Sie bauten wo es ihnen gefiel,
nahmen für ihre Zwecke von der Natur so viel sie brauchten und gaben
nichts zurück, oder wenig. Deshalb war Toran froh dem menschlichen Leben
wieder einmal entfliehen zu können. Das Dorf trug den sanften Namen Daruu.
Und es war so klein und unbekannt das es auf keiner Standardisierten Karte
verzeichnet war. Nur die Elfen und einige wenige Menschen wussten von der
Existenz dieses Dorfes das gut versteckt und behütet tief im inneren
eines Waldes lag, geschützt von großen alten Bäumen und dichtem
Gestrüpp. Toran war einer der Menschen die von dem Dorf wussten, vor
einigen Jahren war er schon einmal hier gewesen, und so war Toran in dem Dorf
kein unbekannter Reisender. Hier und da sah er auf den schmalen Straßen
Menschenhändler die ebenfalls von dem Dorf wussten. Solche Menschen waren
sehr vertrauenswürdig und erzähltem niemandem von Daruu der nichts
davon wissen durfte. Die Händler die man hier traf kamen meist nicht
um etwas zu verkaufen, die Elfen hatten alles was sie brauchten, und das wenige
was ihnen fehlte bekamen sie aus den großen Elfenstädten regelmäßig
geliefert. Nein, die Händler waren Kräuterhändler und zum Teil
auch Ärzte die hier her kamen um die selten Kräuter der Elfen zu
erwerben und auch einige Elixiere und wundersame Medizin. Nur die Elfen wussten
wie man die kostbaren Kräuter kultivierte und ihre besondere Wirkung
aus ihnen zog. Ob es ein einfaches Grippemittel war das aus kleinen, weißen
Blüten hergestellt wurde oder ob es eine Wurzel gegen Schlaflosigkeit
war aus der man einen Tee brauen konnte, die Elfen kannten die Wirkung aller
Kräuter und Pflanzen, und sie wussten auch welche hoch giftig waren.
Doch was bei Elfen tödlich war, hatte auf manchen Menschen eine höchst
eigenartige Wirkung. So brachte zum Beispiel die Pikape-Blüte einem Elfen
in zehn Sekunden den Tod während sie bei Menschenmännern Potenzsteigernd
wirkt, aber nur kurz, dann folgt starke Übelkeit, ansonsten ist die Pikape-Blüte
für Menschen aber harmlos. Deshalb achten die Elfen genau darauf was
sie an die Menschen ausliefern, aber vor allen Dingen auch an wen. Die wenigen
Elfen denen er auf der Straße begegnete nickten ihm erkennend zu und
lächelten. Toran nickte lächelnd zurück, doch seine Augen suchten
die Straßen nach einer ganz bestimmten Elfe ab, alle anderen waren im
Momentan egal. Er hoffte sie zufällig hier draußen zu treffen,
doch das Glück war ihm heute nicht wohl gesonnen. Schon auf der Reise
zum Dorf hatte es große Schwierigkeiten gegeben. Schwierigkeiten? Er
hatte fast sein Leben verloren als er mehr als unerwartet von einem Tarr angegriffen
worden war. Torans bevorzugtes Reittier ist nicht etwa wie bei den meisten
Menschen das Pferd sondern eine Echsenähnliche Kreatur die auf zwei kräftigen
Beinen läuft. Es hat gefährliche Klauen an den Füßen
und ein noch kräftigeres Gebiss und im Notfall kann es sich sehr gut
selbst verteidigen. Ein Plaxa ist wesentlich schneller als ein Pferd, allerdings
kann es nicht so viel last tragen wie eines. Deshalb sind Plaxas nur für
alleinreisende gut geeignet die nicht viel Gepäck benötigen. Größere
Reisegesellschaften wie eine Armee waren weiterhin auf Pferde angewiesen um
die großen Mengen an Gepäck transportieren zu können. Allerdings
gab es für solche Zwecke auch noch größere Lasttiere die noch
mehr transportieren konnten, dafür aber um einiges langsamer waren wie
ein Pferd oder gar ein Plaxa. Und auch wenn es in jeder Armee Plaxareiter
gibt, da diese im Kampf kleiner und wendiger und bei der Verfolgung schneller
sind, doch durch die langsamen Lasstiere müssen sich die Plaxareiter
an deren Geschwindigkeit anpassen. Und so war Toran froh das er alleine auf
seinem Plaxa reiste und so dessen volle Geschwindigkeit ausnutzen konnte.
Doch auf dieser Reise hätte er Hilfe fast bitter nötig gehabt. Ein
Tarr war ein wahres Monster unter den Raubtieren. Tarr sind sehr groß.
Ein ausgewachsenes Männchen kann an die zehn Meter messen. Brust, Rücken
und Kopf sind von vielen kleinen, aber Steinharten und undurchdringlichen
Schuppen geschützt. Arme und Beine sind von einer dicken Lederhaut überzogen
aus der ein dichtes Fell wächst. Menschen und Elfen nehmen an das die
dichte Schuppenschicht die Bewegung der Tarrs einschränken würde.
Und so ist der Oberkörper und Kopf der sich nicht viel bewegen muss mit
starken Schuppen geschützt, und damit auch die wichtigsten Teile wie
Herz und Schädel, und die starken Beine und Arme die sie zum kämpfen
und schnellen agieren brauchen sind nur mit einer zähen Lederhaut und
dichtem Fell überzogen so das sich die Tiere ungehindert bewegen können.
Und diese Ausstattung hat sich bewährt! Tarrs haben kleine Augen und
eine flache Schnauze in der viele kleine Zähne in einer Doppelreihe blitzen.
Tarrs sehen schlecht, aber sie riechen dafür um so besser und können
Wärmquellen auf fast ein Kilometer Entfernung erspüren. Tarrs sind
zudem noch sehr schnell, stark und gnadenlos wenn es darum geht sein Opfer
zu verfolgen und zu töten. Toran war gezwungen gewesen von seinem Reittier
abzuspringen und dieses dem Tarr zu überlassen, zusammen mit seinem Gepäck,
abgesehen von dem Rucksack den er auf dem Rücken trug, und sich in den
nahegelegenen Wald zu flüchten. Toran konnte grade noch sehen wie sein
geliebtes Plaxa auf und davon schoss, den Tarr direkt im Nacken, behindert
von dem baumelnden Gepäck versuchte es Hackenschlagen zu entkommen. Plaxas
waren eigentlich nicht die bevorzugte Nahrung der Tarrs. Denn auch wenn ein
Tarr für seine Masse sehr schnell ist, ein Plaxa ist, wenn man es nicht
grade mit Taschen belädt, um einiges schneller. Jedoch schien dieser
Tarr zu erkennen dass das Plaxa durch irgendwas behindert war und so setzte
es zur Verfolgung an. Toran war sich ziemlich sicher das sein Plaxa trotz
allem entkommen würde. Er kannte dieses Plaxa in und Auswendig, kannte
seine Schwächen und seine Stärken, immerhin hatte er es selbst,
zusammen mit zwei anderen, aufgezogen. Es schmerzte ihn sehr seinen Freund
so im Stich lassen zu müssen, aber vielleicht würde der Tarr irgendwann
von ihm ablassen und das Plaxa würde seine Fährte entdecken und
ihm nach Daruu folgen. Und so hatte sich Toran das letzte Stück bis nach
Daruu zu Fuß auf den Weg gemacht. Es war ja zum Glück nicht mehr
so weit. Er kam aber trotzdem mit einem halben Tag Verspätung im Dorf
an. Nicht das man von seinem kommen gewusst hätte und sich hätte
Sorgen machen können wo er denn bleibe, aber es war immer besser zu früh
als zu spät anzukommen. Der Dorfplatz war sowohl Treffpunkt für
Reisende als auch Dorfbewohner. Deshalb befanden sich hier auch alle Geschäfte,
Lager, Gasthöfe und andere wichtige Gebäude wie das Gebäude
der Händlergilde. Nicht das die Waldelfen die hier lebten auf Geschäfte
angewiesen gewesen wären oder gar ein Gasthaus gebraucht hätten,
sie hatten die alles nur aus Höflichkeit und Respekt gegenüber anderen
Völkern errichtet und natürlich aus Gastfreundlichkeit. Toran beschloss
sich erst mal im Gasthof anzumelden und nach einem Zimmer zu fragen. Er trat
vor die Tür zum Gasthof und legte die flache Hand in eine Vertiefung
auf Augenhöhe. Und wie durch Zauberei schwang die Tür sanft nach
innen auf, von Scharnieren und Schrauben sowie einer Türklinke war keine
Spur. Toran wusste das die Tür direkt aus der Wand wuchs, eine Berührung
in der Vertiefung und die Bitte eintreten zu dürfen bewirkten das sich
die Tür von alleine öffnete. Toran trat auf leisen Sohlen ein, hinter
ihm schloss sich die Tür wieder ganz ohne sein zutun. Seine weichen Lederstiefel
verursachten auf dem glatten Holzboden keinen einzigen Laut und von den Elfen
hatte er gelernt sich selbst im dichten Unterholz der Wälder fast völlig
lautlos zu bewegen. Die Tür schloss sich ebenfalls so leise wie Toran
eingetreten war. Hinter einer niedrigen Theke hatte es sich ein junger Elf
auf einem Stuhl bequem gemacht. Die kleinen bloßen Füße lagen
lässig übereinandergelegt auf der Theke. Selten sah man Elfen so
losgelöst. Elfen waren ein anmutiges Volk. Sie gingen steht hoch aufgerichtet.
Grader Rücken, hocherhobener Kopf, dabei wirkten sie keineswegs Hochnäsig.
Es war eben die Elfen typische Art. Ein Elf saß auch stets grade. Kein
Elf würde es sich erlauben sich hängen zu lassen. So rumzulungern
war unter ihre Würde, so was taten nur Menschen. Und dieser Elf wirkte
sehr menschlich wie er da so lässig schlief. Offenbar rechnete er nicht
mit Kundschaft um diese Tageszeit und hatte es sich, immerhin war er alleine,
bequem gemacht. Toran lächelte und schlich sich an den jungen Elfen heran
dessen langes, Platinfarbenes Haar ihm wirr über die Schulter und Gesicht
fiel. Als Toran es geschafft hatte sich unbemerkt neben den Elfen zu schleichen,
neigte er sich an dessen spitzen Ohren herunter.
"Aufwachen Miro, du hast Kundschaft," rief er laut und tippte dem
Elfen mit dem Namen Miro dabei auf die Schulter. Miro schreckte aus seinem
Schlaf hoch, wäre beinahe vom Stuhl gefallen, und blickte sich verwirrt
in der Umgebung nach dem Störenfried um. Als er ihn entdeckt hatte blickte
er direkt in das grinsende Gesicht eines jungen Menschenmannes der kurzes
blondes Harre hatte, Eisblaue Augen und eine schlanke Statur. Gekleidet war
er in eine einfache, grün gefärbte Lederhose und ein reinweißes
Baumwollhemd, dazu hohe, weiche Lederstiefel. Über seine linke Schulter
hin ein Rucksack und Miro kannte diesen jungen Mann. Ganz langsam aber sicher
kam Miro auch noch eine andere Tatsache zu Bewusstsein: Toran hatte ihm beim
schlafen erwicht. Würde er allen im Dorf nun erzählen WIE er geschlafen
hatte würde das für mindestens eine Woche Gelächter Sorgen.
Es war zwar kein Verbrechen, aber eben Elfenunwürdig sich solche Blöße
zu geben. Miro versuchte sofort einen unüberraschten Eindruck zu machen
und sagte:
Ach, du bist das," während er sich sein Haar und seine Kleidung
zurechtstrich, die vom schlafen etwas mitgenommen aussahen. Toran hatte aber
von der ersten Sekunde an seit Miro erwacht war erkannt das die Situation
Miro mehr als peinlich war. Toran legte seinem Freund daher beruhigend die
Hand auf die Schulter.
"Ich werde bestimmt niemandem etwas erzählen, versprochen!"
Toran lächelte ihm aufmunternd zu und sein Freund lächelte zurück,
nun sichtlich entspannter. Der schlanke, gutaussehende Elf erhob sich elegant
von seinem Stuhl und umarmte Toran schließlich stürmisch. Die peinliche
Situation war vergessen, Wiedersehensfreude war an ihre Stelle getreten. Auch
Toran erwiderte die stürmische und herzliche Begrüßung von
Miro.
"Ich hab dich ja ewig nicht mehr gesehen, das müssen nun fast sieben
Jahre gewesen sein." Toran nickte zustimmend.
"Ich hatte zu tun. Du weißt schon, mein Vater der alte Sturkopf."
Torans Vater hielt nicht viel von Elfen. Das war bei der älteren Generation
im allgemeinen so. Während sich die jüngeren in den letzten Jahren
stärker darum bemüht hatten engere Beziehungen zu den Elfen zu knüpfen
mit ihnen zu arbeiten, von ihnen zu lernen und stärkeren Handel zu betreiben
taten die alten die Magie und Kräuterkunde der Elfen als nutzlosen Schnick
Schnack ab und wollten so wenig wie möglich damit zu tun haben. Arbeit
war eben nur dann gut erledigte und ausgeführte Arbeit wenn man dafür
Blut und Wasser geschwitzt und sie mit seinen eigenen und seiner eigenen Kraft
verrichtet hatte. Magie machte einen Mann, und auch eine Frau, schwach. Torans
Vater war der gleichen Ansicht. Und deshalb empfand es Miro als äußerst
ungewöhnlich das Toran auf einmal vor ihm stand.
"Wie hast du ihn dazu bewogen dich ziehen zu lassen. Immerhin hast du
bei ihm noch lange nicht ausgedient." Miro verweist damit auf den Brauch
der Menschen das ein Kind bis zu seinem fünfzehnten Lebensjahr komplett
von seinen Eltern versorgt wird mit allem was es zum Leben braucht. Ab seinem
fünfzehnten Lebensjahr allerdings muss ein Kind weitere fünfzehn
Jahre bei seinen Eltern bleiben um die Aufopferung der Eltern über die
fünfzehn ersten Jahre hinweg abzuarbeiten. Töchter übernehmen
den Großteil der Hausarbeit die sie verrichten können, am Anfang
sind es noch kleinere Arbeiten, mit zunehmendem Alter werden es aber immer
mehr und immer schwierigere. Söhne helfen ihren Vätern im Familienbetrieb,
auf dem Feld oder, sollte es sich zum Beispiel um einen Händler halten,
gehen mit ihm auf Reisen, schleppen das Gepäck und passen auf den Laden
auf während sich der Vater in der Stadt nach den neuen Preisen und Waren
umhört. Erst beim erreichen des 30. Lebensjahres darf ein Kind das Elternhaus
verlassen, heiraten, Kinder zeugen und seine eigenen Wege gehen. Toran kann
ein Alter von zweiundzwanzig Jahren aufweisen und müsste daher noch acht
Jahre bei seinem Vater verweilen. Als Miro aber auf dieses Thema zu sprechen
kam musste er feststellen das Toran die Augen zu Boden senkte. Sein lächeln
erstarb und er machte einen mehr als verbitterten Eindruck. Miro ahnte was
los war.
"Freiwillig hätte er mich nie gehen lassen, wie du weißt.
Doch vor zirka drei Monaten ritt er in den Wald um frisches Holz zu schlagen.
Ich blieb in der Zeit in der Schmiede zurück und säuberte das Werkzeug
und die Arbeitsstelle während ich auf seine Rückkehr wartete. Keiner
weiß genau wie es passiert ist. Gewöhnlich bleibt ein Schmied einen
Tag im Wald, wie du ebenfalls weißt. Er schlägt dort sein Lager
auf und durchstreift weiträumig den Wald um nach dem besten Holz zu suchen.
Dann schlägt er es und trägt es zu seinem Lager, wenn er genug zusammen
hat ruht er noch eine Nacht aus und verlädt dann das Holz auf die Lasttiere
und macht sich auf den Rückweg. Doch nachdem mein Vater zwei Tage überfällig
war machte man sich auf die Suche nach ihm. Man fand ihn ziemlich schnell,
mit der Axt in der Hand, erschlagen von einem großen Baum..." Toran
verstummte als bei seiner Erzählung die letzten Erinnerungen an seinen
Vater vor seinem inneren Auge vorbei flossen. Und das letzte Bild das er sah
war das eines Vaters der mit grimmigem und strengen Blick seinen Sohn ansah.
Hatte er seinen Vater je lächeln sehen. Hatte er je mit ihm gelacht?
Toran wusste es nicht mehr.
"...Nachdem er beigesetzt worden war und ich mich um den erhalt der Schmiede
gekümmert habe beschloss ich auszuwandern und als erstes meine alten
Freunde hier in Daruu zu besuchen."
"Das tut mir leid, also, das mit deinem Vater," sagte Miro ehrlich
betroffen.
"Schon gut. Es ist eben passiert, ein Unfall..." Toran zuckte mit
den Schultern. Er versuchte die Erinnerungen zu verdrängen und den damit
verbunden, dumpfen Schmerz in seinem Herzen, "er war ein strenger aber
gerechter Vater. Er hatte ein erfülltes Leben. Möge er seinen Platz
in Naka She'lus Reich finden." Naka She'lu ist das große Bewusstsein
das Menschen und Elfen sowie andere Völker als Gott verehren. Nach dem
Tod wandern die Seelen ins Reich von Naka She'lu um dort von ihm gerichtet
zu werden. Die Würdigen werden in Nake She'lus Reich aufgenommen und
Leben dort in Frieden und Eintracht. Die Unwürdigen werden zum See der
Seelen geschickt wo sie alleine in einer finsteren Umgebung dahintreiben und
geläutert werden. Keiner weiß wo sich Naka She'lus Reich befindet
oder der See der Seelen liegt, doch Legenden besagen das der See der Seelen
zwischen den Hohen Gipfeln des Archakes Gebirges liegen soll.
"Ja, das hoffe ich auch," sagte Miro leise und klopfte Toren zwei
mal kräftig auf die Schulter. Nach einer Schweigesekunde, in der sich
Toran innerlich wieder faste, wandte dieser sich an den Besitzer des Gasthofes,
Miro.
"Sag mein Freund, hast du zufällig ein Zimmer für mich frei?"
"Du kannst das ganze Gasthaus für dich alleine haben wenn du möchtest,"
brummte Miro, "seit einiger Zeit kommen kaum noch Reisende oder Händler
in unser Dorf. Nicht dass das uns Waldelfen großartig stören würde,
du kennst uns ja, aber das so gut wie überhaupt keiner mehr kommt, und
das schon seit fast drei Monaten, ist schon mehr als ungewöhnlich, oder
meinst du nicht?" Doch, Toran war der gleichen Meinung und nickte Miro
zustimmend zu. Das überhaupt NIEMAND mehr kam war mehr als ungewöhnlich.
Mindestens ein paar Kräuterhändler hätte er erwartet, und ein
paar hatte er ja auch auf den Straßen gesehen, aber wenn er recht darüber
nachdachte waren es ungewöhnlich weniges für diese Jahreszeit gewesen.
Die Kräuter und Mixturen der Elfen waren heiß begehrt und kaum
einer kam noch ohne sie aus. Die Nachfrage war im allgemeinen so groß
das die Waldelfen mit der Nachzucht von Pflanzen kaum nachkamen, doch Pflanzen
mit in die Städte zu nehmen erlaubten sie nicht. Die Kräuter würden
zum Grossteil dort vergehen oder nicht richtig reifen und so ihre Wirkung
verlieren. Das wurde zumindest gesagt, und keiner zweifelte es an. Doch als
Toran danach fragte schüttelte Miro wieder den Kopf.
"So gut wie keiner kommt noch her, die Gärten quellen über
von reifen Kräutern. In unseren Lagerhäusern stapeln sich Säcke
und Töpfe in denen auslieferbare Kräuter warten. Die Schränke
der Läden sind bis obenhin gefüllt. Und nicht nur uns ergeht es
so." Miro deutete auf einen Holzkäfig in dem ein schlafender Nussiin-Vogel
saß. Nussiin-Vögel sind klein, schnell, von Nussbrauner Farbe,
daher ihr Name, unauffällig und absolut gehorsam ihrem Besitzer gegenüber.
Der Besitzer ist immer grade die Person zu der er als letztes geflogen ist.
In diesem Fall gehörte der Vogel Miro. Nussiin-Vögel eignen sich
daher sehr gut für Botenflüge. Toran erkannte aber am Fußring
des Vogels das es nicht Miros ursprünglicher Vogel war, sein ganz persönlicher
musste also grade unterwegs sein und ein anderer war dafür bei ihm eingetroffen.
Nussiin-Vögel sind hoch intelligent. Während man anderen Vögeln
die Botschaft in Form eines Briefes für gewöhnlich an den Fuß
oder Hals umbinden muss kann man einem Nussiin-Vogel die Nachricht diktieren
und er behält sie sich schon nachdem man sie ihm bloß zwei mal
vorgelesen hat. Die Nachricht wird eine Codenummer gegeben. Diese Nummer wird
auf einen kleinen Zettel geschrieben den man im inneren des Fußrings
versteckt. Im Gedächtnis des Vogels sind Codenummer und Nachricht unzertrennlich
miteinander verbunden. Wenn der Empfänger dem Nussiin-Vogel also die
Codenummer aufsagt erinnert sich dieser sofort an die ihm diktierte Nachricht
die zu der Codenummer gehört. Ein Nussiin-Vogel kann eine Nachricht bis
zu einem Jahr aufbewahren. Daher werden die Vögel manchmal auch als eine
Art Aufnahme-"Gerät" benutzt. Leute die sehr leicht vergesslich
sind oder sich wichtige Sachen wie Termine irgendwo sicher verwahren wollen
diktieren sie einem Nussiin-Vogel. Die aktuellsten Erinnerungen werden mit
einer Codenummer versehen die am Käfig des Vogels angebracht ist. So
ist sicher gestellt das der betroffene nicht aus versehen die Nummer vergisst.
Hat eine Nachricht im Kopf des Vogels schon die Nummer die man einer neuen
Nachricht zuteilen will zählt der Vogel die alte Nachricht noch mal auf
und fragt dann ob man die alte Nachricht löschen und die Nummer der neuen
Nachricht zuteilen möchte. Kaum ein Wesen ist so vergesslich das es aus
versehen alte, wichtige Nachrichten löscht. Außerdem kann man Nachrichten
aus dem Gedächtnis eines Nussiin-Vogels nicht einfach so löschen.
Sie ist weiterhin vorhanden, hat aber keine Codenummer mehr, was es schwierig
macht sie hervorzuholen, die bleibt aber weiterhin bestehen. Nussiin-Vögel
verstehen und beherrschen alle Sprachen. Sie können sich mit allen Wesen
Unterhalten, sind also nicht nur aufs Nachrichtenwiedergeben beschränkt.
"Dieser hier kam gestern bei uns an. Er kommt aus der großen Elfenstadt
Majscha. Er hat mir berichtet das der Handel um erschreckende zwanzig Prozent
zurückgegangen ist. In den kleinen abgelegenen Dörfern, wie Daruu
eines ist, bleibt der Handel zum Teil ganz aus!"
"Und keiner weiß woran das liegt? Andere Dörfer müssen
das doch auch festgestellt haben." Toran hatte, ganz der Denker, zwei
Finger an die gerunzelte Stirn gelegt und blickte interessiert zu Boden.
"Der Hauptgrund liegt darin, zumindest nimmt man das an, das einige Tiere
und Monster angriffslustiger geworden sind. Es treiben sich seit einigen Monaten
viel mehr Tarrs wie früher an den Handelswegen rum. Sie greifen nun sogar
schon Plaxaherden an. Einige wollen beobachtet haben das die Tarrs sich viel
gezielter bewegen und nicht einfach nur brüllend und geifernd hinter
ihren Opfern herrennen, auch sollen sie stärker geworden sein und um
einiges schneller. In ihren Augen sieht man eine wachsame und intelligente
Art aufblitzen wenn man genau hinsieht. Das hat ein Bauer berichtet der einem
Tarr direkt gegenüberstand, aber verschont wurde da sich das Tarr nur
für die Plaxas zu interessieren schien." Toran blickte verwundert
auf und versuchte sich an den Tarr zu erinnern der ihn angegriffen hatte.
Nun, wo er die Situation noch einmal genau überdachte hätte er ebenfalls
schwören können eine Hinterlistiges und Wissendes Funkeln in den
kleinen, grünen Auges des Tarrs entdeckt zu haben. Als wüsste der
Tarr genau wem er gegenüberstand und das Toran ja eigentlich die leichtere
Beute gewesen wäre. Miro viel der verdutzte Blick seines Freundes auf.
"Was hast du?"
"Mich hat gestern auch ein Tarr angegriffen. Obwohl ich auf meinem Plaxa
unterwegs war. Nachdem ich mich aus dem Sattel ins Gebüsch geworfen hatte
ist der Tarr meinem Plaxa nachgejagt. Obwohl er mich viel einfacher hätte
kriegen können. Ich hätte schwören können eine Art spöttisches
glitzern in des Augen des Tarrs gesehen zu haben. Als wollte er mich nur gehörig
erschrecken und mir Angst einjagen, nicht aber mich töten und fressen."
Miro blickte nun ebenfalls verdutzt drein. Die Ähnlichkeit zwischen der
Geschichte des Bauern und dem Erlebnis von Toran war nicht zu übersehen.
"Tarrs leben um zu töten. Sie machen sich keinen Spaß daraus
jemanden nur anzugreifen um ihm Angst einzujagen," erinnerte Miro ihn
an diese unumwerfliche Tatsache.
"Wurden die anderen Reisenden getötet die von Tarrs angegriffen
worden sind?" Miro machte einen leicht überrumpelten Eindruck. Danach
hatte er noch gar nicht gefragt.
"Ich....ich weiß es nicht. Das habe ich den Vogel noch nicht gefragt....,"
sagte Miro kleinlaut.
"Dann hol es nach," drängte Toran der endlich Gewissheit haben
wollte ob das nur alles Zufall und Einbildung gewesen waren. Miro nickte stumm
und ging zu dem Holzkäfig in dem der Nussiin-Vogel sich von seiner langen
Reise erholte. Miro hatte ihm eine frisches Schüsselchen Wasser und Futter
hineingestellt, doch es war bisher nicht angerührt worden. Der Vogel
hatte die ganze Zeit bis jetzt verschlafen. Miro öffnete vorsichtig die
Käfigtür und strich dem Vogel sanft vom Scheitel über den Rücken.
So bekam man Nussiin-Vögel wach ohne sie dabei zu erschrecken. Das beruhigende
Gefühl einer streichelnden Hand hielt den Vogel in einer Art Dämmerzustand,
weckte ihn aber trotz allem auf. Nun, da er erkannte das man von ihm etwas
wollte hatte er noch etwas Zeit richtig wach zu werden. Nussiin-Vögel
haben einen sehr festen schlaf der auch nötig ist um ihre Energien nach
einer Reise zu erneuern. Der Vogel sträubte die Federn und schüttelte
sich dann kräftig. Dann legte er den Kopf schräg und blickte abwartende
zu Miro auf. Seine kleinen schwarzen Knopfaugen gaben nur einen Teil seiner
hohen Intelligenz Preis. Miro sagte dem Vogel die Codenummer auf und stellte
ihm die Frage auf die sie gerne eine Antwort hätten. Der Nussiin-Vogel
nickte mit dem Kopf hin und her und suchte in dem bericht nach einer passenden
Antwort. Schließlich plusterte er sich auf, ein Zeichen dafür das
er etwas gefunden hatte. Toran stellte grinsend fest das der Vogel so auch
einen guten Staubwedel abgeben würde. Nachdem der Vogel sich noch einmal
kräftig geschüttelt hatte begann er zu berichten:
"Nein, alle Reisenden haben überlebt und sind wohlbehalten nach
Hause zurück gekehrt. Sie haben höchstens ein paar Blaue Flecke
oder gebrochene Knochen davongetragen. Diese haben sie sich aber selbst zuzuschreiben
wenn sie vor Schreck von ihrem Reittier gefallen sind oder bei der überstürzten
Flucht stolperten. Die Tarrs haben keinem einzigen auch nur ein Haar gekrümmt."
Der Vogel hatte eine scheußlich hohe Stimme die von einem kratzenden
Krächzen begleitet wurde, aber man verstand ihn.
"Und was ist mit den Plaxaherden," fragte Miro.
"Was soll damit sein?" Sagte der Vogel keck und stieß einen
schrillen Pfiff aus. Miro verzog missmutig das Gesicht.
"Fehlen Tiere aus den Herden? Du erinnerst dich doch daran das die Tarrs
auch die Herden angegriffen haben, oder?"
"Aber ja doch, ich erinnere mich!!!" Krächzte der Vogel empört
weil man an seinem Erinnerungsvermögen zweifelte und plusterte sich abermals
auf um zu zeigen das er eine wichtige und ernst zu nehmende Persönlichkeit
war. Toran kicherte hinter hervorgehaltener Hand und Miro wurde von dem Vogel
mit blicken aufgespießt. Schließlich aber regte sich der Vogel
ab und erzählte munter weiter.
"Auch keines der Tiere wurde getötet. Die Tarrs haben die Herden
zwar zerstreut und weit ins Land getrieben, aber nach einigen Tagen sind alle
Tiere wohl auf zu ihren Besitzern zurück gekehrt." Miro warf einen
verwunderten Blick zu Toran hinüber. Der jedoch blickte schon wieder
interessiert zu Boden. Also hatte er sich nicht getäuschte. Dachte Toran,
die Tarrs jagten sie aus Spaß und nicht weil sie hungrig waren. Aber
woher kam auf einmal der Drang sich aus der Angst anderer einen Spaß
zu machen? Woher kam diese plötzliche Intelligenz, das Wissen das man
in den glitzernden Augen erkennen konnte? Toran versuchte den Faden weiter
zu verfolgen, doch er war an einem Kneul angekommen den er nicht so schnell
entwirren konnte. Miro holte ihn schließlich zurück in die Wirklichkeit.
"Nun, da wir erfahren haben was wir wissen wollten zeig ich dir erst
mal dein Zimmer, einverstanden? Es ist das schönste im ganzen Gasthaus.
Sehr geräumig, du hast also viel Platz für dich ganz alleine, mit
einem Balkon, direkter Blick auf Dorfplatz und Park." Toran nickte stumm
und folgte Miro die Treppe rauf. Vor einer Tür, die mit einem Blütenbesetzten
Zweig versehen war, machten sie halt. Miro legte seine schlanke Elfenhand
in die Vertiefung der Tür und sogleich schwang diese sanft nach innen
auf. Das Zimmer war, wie Miro versprochen hatte, sehr geräumig und, abgesehen
von einem Bett, einem Kleiderschrank und einem Regal, leer. Alle Häuser
und die wichtigsten Gegenstände wuchsen bei den Elfen aus einem Baumsprössling
heran. Die Waldelfen verstehen sich darauf mit Hilfe ihrer Magie den Sprössling
so wachsen zu lassen das daraus Häuser und sogar Einrichtungsgegenstände
wie Schränke, Tische, Stühle, Vasen und eine Kochstelle entstehen.
Sogar ganze Betten wachsen direkt aus dem Boden. Die Bettdecke besteht entweder
aus Baumwolle oder aus Blätterbesetzten Zweigen die aus dem Bettrand
wachsen. Wenn sich dann jemand zum schlafen legt, legen sich die Zweige um
ihn und spenden damit erstaunlich viel Wärme. Gasthöfe haben aber
meist Wolldecken und Kissen da einige Reisende mit der Magie der Elfen nicht
umgehen können und so die Bettdeckenzweige beschädigen würde.
Jede Pflanze hat ein magische Bewusstsein was es ermöglicht Kontakt mit
ihr aufzunehmen. Sollt man also mal einen Tisch brauchen wo keiner steht legt
man einfach die flache Hand auf die gewünschte Stelle wo man den Tisch
braucht. Dann übermittelt man der Pflanze gedanklich was man sich wünscht.
Dabei muss man der Pflanze eine genaue Vorstellung des Tisches übermitteln,
also Größe und Form. Hat man alles richtig gemacht wächst
in Windeseile ein Tisch aus dem Boden wo vorher noch keiner war. Damit die
Pflanze die nötige Energie hat um so schnell zu wachsen wässern
die Elfen ihre Pflanzen mit einem magisch angereicherten Wasser das den Pflanzen
die benötigte Kraft gibt. Da die meisten Elfen in Friedenszeiten sowieso
zu viel Magie in sich tragen können sie den Pflanzen problemlos etwas
davon abgeben, was ja wiederum auch zum nutzen der Elfen ist. Und aus diesem
Grund sind die Räume der Waldelfengasthöfe meist komplett leer bis
auf die wichtigsten Gegenstände, denn so kann sich der Gast nach belieben
einrichten wie es im gefällt. Die Pflanze hat dank der Magischen Kräfte
der Elfen sogar die Möglichkeit einen gewachsenen Tisch wieder verkümmern
zu lassen. Die Pflanze entzieht dem Gegenstand einfach alle Lebensenergie
so das er abstirbt. Die Elfen trennen dann den abgestorbenen Teil von dem
lebenden und die Wunde wird ebenfalls mittels Magie in Sekundenschnelle geschlossen.
Schon ist Platz für neue Gegenstände. Toran blickte sich einmal
in dem großen Raum um und nickte anerkennend.
"Das ist wirklich ein sehr schönes Zimmer!" Er trat ein und
suchte sich eine geeignete Stelle um sich einen Hocker wachsen zu lassen.
Nachdem er sie gefunden hatte legte er die Hand auf den Boden und übermittelte
der Pflanze seinen Wunsch. Schon nach einer Minute war der Hocker voll ausgewachsen
und Toran konnte sich darauf niederlassen. Er ließ sich seufzend auf
den Hocker nieder und blickte zur offenstehenden Balkontür von der ihm
ein frisches Lüftchen entgegenwehte, geschwängert mit den Düften
des Waldes und des Dorfes. Toran spürte wie das Lüftchen sanft durch
sein Weizenblondes Haar Strich. Er sog die Luft tief in und ergründete
die verschiedenen Düfte. Als ein Mann der in der Nähe der Wälder
aufgewachsen war kannte er sich recht gut damit aus. Er roch den Wind der
tief aus den Wäldern kam. Kräuter, Büsche und Blumen die in
voller Pracht wuchsen und unangerührt in den tiefen des Waldes lagen.
Dort summten wahrscheinlich Bienen um reife Pikape-Blüten und andere
Insekten tummelten sich um die Kräuter und reifen Beeren der großen
Büsche. Der Wind des Waldes hatte sich mit dem des Flusslandes gemischt.
Toran konnte die klare Luft schnuppern die es nur an den sauberen Flüssen
der Flusslande gab. Dort hatten sich zum Großteil Elfen niedergelassen,
daher blieben die Flüsse und der Wind auch sauber. Hier im Dorf nahmen
die beiden Winde weitere Düfte auf. Toran roch das schwere Aroma Zigarrenrauchender
Händler und die lieblichen Düfte der Elfenparfums. Plötzlich
hob Toran verwundert den Kopf. Er zog noch einmal die Luft tief ein und ging
die einzelnen Düfte durch. Er hätte schwören können das
zwischen all den Düften noch ein anderer, wohlbekannter und sehnsüchtig
erwarteter Duft mitschwang. Miro, der den verblüfften Ausdruck auf Torans
Gesicht bemerkte, lächelte wissend.
"Nun, ich hole mal deinen Rucksack. Den hast du nämlich unten stehen
gelassen. Du kannst ja schon mal anfangen dich einzurichten. Vielleicht ein
kleiner Tisch, zwei Stühle..." Miro verließ leise das Zimmer
und die Tür schloss sich ebenso leise hinter ihm. Toran hörte die
weichen Schritte Miros die Treppe hinuntergleiten. Er wusste das Miro seinen
Gesichtsausdruck richtig gedeutet hatte und ganz ein guter Freund war er gegangen.
Der Rucksack, den er Tatsächlich unten vergessen hatte, war trotz allem
nur ein Vorwand gewesen um Toran nicht in Verlegenheit zu bringen. Danke Miro!
Toran stand von seinem Hocker auf und ging auf die Balkontür zu. Er zögerte.
Einerseits hatte er sehnlichst auf diesen Moment gewartet, aber was erwartete
ihn? Sieben Jahre waren vergangen. Für Elfen war das nicht viel, kaum
mehr als für einen Menschen ein Monat oder zwei. Aber in Torans Leben
waren sieben Jahre eine ganze Menge. Er hatte sich sehr verändert, er
war erwachsen geworden. Miro war sein Freund, hatte ihn deshalb nicht auf
die enorme Veränderung angesprochen, dafür war später noch
Zeit. Miro war in seinem Volk mit seinen Hundertzwölf Jahren noch ein
Jüngling. Zwar hatte er schon seine volle Körpergröße
erreicht und führte ganz alleine den Gasthof, trotzdem war er nach dem
Standard seines Volkes noch nicht wirklich erwachsen. Er musste erst noch
eine gewisse Geistige Größe entwickeln, und das Miro ganz alleine
einen Gasthof führte gehörte zu den Erfahrungen dazu die ihn zu
solcher geistigen Größe führen würden. Trotz allem hatte
sich Miro in den letzten sieben Jahren kein bisschen Verändert. Toran
dachte an den Tag vor sieben Jahren zurück als er das Dorf mit einem
Händler besuchte. Er war damals fünfzehn gewesen und durfte nur
aus dem einen Grund mit in das Dorf reisen weil der Händler ein guter
Freund seines Vaters war und darum gebeten hatte Toran mitnehmen zu dürfen
damit dieser ihm beim Transport helfen könne. Da Toran grade erst fünfzehn
geworden war und noch nicht so fest bei seinem Vater arbeitete erlaubte dieser
es. Aber nur damit Toran lernte was Arbeit bedeutete. Und der Händler
versprach Toran nicht zu schonen. Auf der Reise allerdings hatte ihm der Händler
anvertraut das er Toran noch einmal eine Aiszeit gönnen wollte bevor
die harte Schufterei in der Schmiede seine ganze Zeit einnehmen würde.
Der Händler, der bisher verschwiegen hatte wohin ihn seine Handelsreise
führte, hatte Toran erklärt es ginge in ein geheimes Dorf der Waldelfen.
Dort würde er einige Kräuter und Mixturen einkaufen. Sein Aufenthalt
würde mehrere Tage betragen bis alles geregelt war, es war irgendwas
von Papieren und Geheimhaltung des Standortes des Elfendorfes die Rede. Der
Händler, der übrigens Kalmetschk hieß, trichterte ihm ein
das er niemandem etwas von den Elfen im Wald und deren Dorf erzählen
durfte. Im Austausch dafür dürfe er sich im Dorf frei bewegen und
tun und lassen was er wolle, außer Unsinn anstellen verstand sich. Und
vielleicht würde ihm das Wissen über dieses Dorf mal Hilfreich sein.
Toran versprach niemandem etwas zu sagen und freute sich riesig darauf das
erste mal Elfen zu sehen. Die Reise war lang und beschwerlich, die versteckten
Wege im Wald waren alles andere als Hilfreich beim Vorwärtskommen in
dem dichten Unterholz. Doch irgendwann hatten sie es geschafft. Als sie das
Dorf betraten fielen Toran fast die Augen aus den Höhlen und sein Mund
stand soweit offen das es sich ein Tarr darin hätte gemütlich machen
können. Toran sah zum ersten mal Häuser die direkt aus dem Boden
wuchsen. Kalmetschk hatte ihm viel über die Elfen und ihre Bräuche
erzählt, so das er vorbereitet war und kaum etwas falsch machen konnte.
Doch es dann alles real vor sich zu sehen war doch ganz anders wie es sich
einfach nur vorzustellen. Toran lief von einem Gartenzaun zum nächsten
und bestaunte mit kindlicher Neugier die Häuser und Gärten in denen
so viele komische Sachen wuchsen. Einige Elfen schauten aus dem Fenster als
sie den jungen Toran an ihrem Zaun stehen sahen. Und als sie bemerkten das
der Junge das erste mal hier war lächelten sie ihm zu und Toran starrte
zurück. Die Elfen waren etwas größer wie Menschen. Kalmetschk
hatte ihm aber erzählt das die Stadtelfen noch größer waren.
Die Waldelfen seien geschrumpft um sich im Wald besser bewegen zu können.
Trotzdem hatten sie eine beachtliche Größe, fast weiße Haut
die leicht zum schimmern schien, als bestünde sie aus Perlmutt. Ihre
Augen waren groß und Mandelförmig, die Augen hatten alle Farben
des Regenbogens. Nur rote Augen konnte Toran keine entdecken. Ihre Körper
waren schlank, ihr Haar lang und meist Platinfarben. Sie hatten lange spitze
Ohren die an Flügel erinnerten. Sie bewegten sich sehr majestätisch
und strahlten Frieden und Ruhe aus. Toran fühlte sich wohl in ihrer Nähe.
Schließlich musste Kalmetschk ihn fast gewaltsam von den Gartenzäunen
losreißen als er ihm sagte das sie sich erst mal um ein Zimmer im Gasthaus
kümmern müssten. Toran ließ zuerst den Kopf hängen, es
gab ja immerhin noch so viel zu sehen. Aber Kalmetschk versicherte ihm das
er sofort weiter staunen könne wenn sie ein Zimmer hatten. Er müsse
danach auch sofort los um sich um seine Waren zu kümmern und hätte
dann sowieso keine Zeit mehr sich um ihn zu kümmern. Das gab Toran neue
Hoffnung und er trieb Kalmetschk regelrecht an doch etwas schneller zu laufen.
Als sie den Gasthof erreichten staunte Toran ein weiteres mal als er sah das
die Tür gar keinen Griff hatte zum öffnen. Doch dann legte Kalmetschk
seine Hand in eine Vertiefung und die Tür ging von alleine auf. Toran,
der von unten gedrückt hatte weil er dachte Kalmetschk wollte die Tür
aufdrücken, stolperte in den Vorraum des Gasthofes und blickte direkt
in das jugendliche Gesicht des Gasthofbesitzers. Dieser lächelte ihn
freundlich an, aber Toran sah das versteckte grinsen hinter dem freundlichen
lächeln. Kalmetschk war hinter Toran getreten und schob in weiter ins
Gasthaus hinein.
"Ein Zimmer für mich und meinen Helfer hier bitte!"
"Ihr habt Glück, es ist noch ein Zimmer frei. Es wird zwar etwas
eng, aber Euer Helfer scheint nicht viel Platz zu benötigen. Seit ihr
mit zwei Goldstücken pro Nacht einverstanden, Verpflegung natürlich
inklusive."
"Das ist ein sehr fairer Preis. Da sage ich nicht nein."
"Mit "Nein" wärt ihr auch schlecht bestellt. Ihr wisst
das ich den einzigen Gasthof im Dorf führe. Ihr würdet kaum eine
andere Unterbringung finden, außer vor den Toran des Dorfes auf dem
Waldboden. Aber ihr kennt uns Waldelfen ja. Aus Goldstücken machen wir
uns nicht viel. Was wir brauchen gibt uns der Wald." Der junge Elf grinste
breit uns kassierte die beiden ersten Goldstücke ein. Er steckte sie
in einen Lederbeutel den er an seinem Gürtel trug.
"Gedenkt ihr Länger zu bleiben?"
"Nun, einige Tage wird es wohl dauern. Ich bin Kräuterhändler
müsst ihr wissen."
"Ah verstehe, ok, dann merke ich mir das mal vor. Falls weitere Reisende
kommen, und damit ich bescheid weiß wann die Zimmer wieder frei werden."
Der Elf kritzelte etwas in ein kleines Buch. "So, das wär's, bitte
hier entlang." Er führte sie eine Treppe rauf und an das Ende eines
langen Ganges. Hier oben gab es bestimmt zwanzig Zimmer, unten noch einmal
so viele. Und in allen wohnten Händler. Die wenigsten wurden von Besuchern
belegt. Der Elf öffnete die Tür, fragte ob sie mit den Umständen
des Zimmers vertraut waren und als Kalmetschk nickte wünschte der Elf
ihnen noch einen schönen Aufenthalt und ging. Die Tür schloss sich
hinter ihm als er das Zimmer verlassen hatte und Kalmetschk und Toran luden
ihr Gepäck ab, das aus zwei Rucksäcken und einer Ledertasche bestand.
Doch Toran war sehr verwundert. Bis aus einen Tisch und einem Bett war das
Zimmer leer. Und wo sollte er schlafen? Wo war ein Tisch und Stühle zum
hinsetzen?
"He Kalmetschk, wo soll ich schlafen? Auf dem Boden?"
"Hahaha, nein, natürlich nicht, sieh her..." Kalmetschk ging
in eine Ecke wo noch genug Platz gewesen wäre für ein kleineres
Bett. Er legte die Hand auf den Boden und nach kurzer Zeit wuchs ein bett
aus diesem hervor. Toran staunte nicht schlecht. Kalmetschk erklärte
ihm was es mit den Häusern der Elfen auf sich hatte.
"Los, du kannst auch mal versuchen etwas wachsen zu lassen!"
"Ehrlich? Kann ich nichts kaputt machen?"
"Nein, glaub mir, alles vollkommen sicher."
"OK, mal überlegen, was könnte ich wachsen lassen? Ah, ich
hab's!" Toran kniete sich auf den Boden und legte wie Kalmetschk vorher
die Hand auf den Boden. Es dauerte etwas länger, aber schließlich
wuchs das gewünschte aus dem Boden hervor. Kalmetschk staunte ebenfalls
nicht schlecht als er das gewachsene als Schaukelstuhl identifizierte.
"Was willst du denn damit?" Fragte er zögernd.
"Mich reinsetzen und schaukeln natürlich." Und schon saß
Toran in seinem Stuhl und versuchte kräftig zu schaukeln, doch irgendwie
wollte der Schaukelstuhl nicht so recht schaukeln. Toran versuchte es noch
mal, wieder ohne Erfolg.
"Warum schaukelt er nicht? Er sieht genauso aus wie ein richtiger Schaukelstuhl."
Toran blickte fragend und mit großen traurigen Augen zu Kalmetschk auf.
"Das liegt daran das der Stuhl am Boden festgewachsen ist. Und wir dürfen
ihn auch nicht abschneiden damit er schaukeln kann. Aber dein Vater hat doch
sicher auch einen. Dann kannst du wieder schaukeln wenn du daheim bist"
Kalmetschk versuchte Toran zu beschwichtigen.
"Ja, schon richtig das wir einen Schaukelstuhl haben. Aber den darf ich
nicht benutzen. Vater hat Angst das ich ihn kaputt mache," schniefte
Toran.
!Hier fehlt auch noch ein Teil den ich noch nicht abgeschrieben habe!